Psyche

Damit der Ruhestand nicht zur Last wird

Von Tobias Lemser · 2015

Der Ausstieg aus dem Berufsleben und Eintritt ins Rentenalter fällt vielen Menschen schwer. Um nicht in ein Loch zu fallen und psychisch zu erkranken, gilt es rechtzeitig Massnahmen zu treffen.

Es gibt Berufstätige, die fiebern bereits von ihrem 50. Lebensjahr an auf die Rente hin, andere wiederum können es sich kaum vorstellen, jemals den Arbeitsalltag für immer hinter sich zu lassen. So unterschiedlich der Start ins Rentenalter emotional auch sein mag, die wenigsten Arbeitnehmer planen diese Lebensphase im Vorfeld und lassen stattdessen den Ruhestand einfach auf sich zukommen – mit der Gefahr, sehr schnell in ein mentales Loch zu fallen. Gerade Männer gehen häufig unvorbereitet auf das Rentenalter zu und wissen nicht, was ihrem Ruhestand – ohne Meetings und Anerkennung – Sinn geben kann und den Tag ausfüllt.

Ausstieg will geplant sein Doch wie sollte der Umstieg idealerweise aussehen?

Zunächst kann es sinnvoll sein, sich einen ausgedehnten Urlaub zu gönnen, um mit dem Berufsleben bewusst abzuschliessen. Dann ist es ratsam zu schauen, was bislang im Leben zu kurz gekommen ist, um sich gegebenenfalls in einem Verein zu engagieren, einem neuen Hobby zu widmen oder soziale Kontakte intensiv zu pflegen. Denn der kontinuierliche Umgang mit anderen hält nicht nur das Gehirn fit, sondern schützt auch vor Alterseinsamkeit und häufig damit einhergehenden Depressionen – jede vierte Person über 65 leidet schweizweit an dieser psychischen Erkrankung. Experten raten deshalb dazu, bereits fünf Jahre vor Eintritt in die neue Lebensphase nachzudenken, wie der so ungewohnte Ruhestand aussehen könnte, um auch dann noch Anerkennung geniessen und kreativ tätig sein zu können.

Psyche wirkt sich auf Gesundheit aus

Wie wichtig Sinngebung und Zufriedenheit im Rentenalter sind, zeigt eine auf acht Jahre angelegte britische Studie unter knapp 3‘200 Menschen ab 60 Jahren zum Thema Altern: Laut dieser im vergangenen Jahr veröffentlichten Untersuchung bauen Senioren, die glücklicher sind und das Leben mehr geniessen, körperlich langsamer ab als unzufriedene und niedergeschlagene Altersgenossen – Erkenntnisse, die gerade vor dem Hintergrund der stetig älter werdenden Gesellschaft zum Umdenken anregen, damit uns die Psyche im Herbst des Lebens nicht aus der Bahn wirft.