Chronisch obstruktive Lungenerkrankung

Das Ringen nach Luft

Von Milena Kleffel · 2017

Wenn einem nicht nur unter Wasser die Luft zum Atmen fehlt, dann sollte man dringend handeln.

Keine Luft mehr bekommen – ein Gefühl, das schwer zu ertragen ist. Patienten mit COPD müssen jeden Tag damit leben. Neue Forschungsansätze wecken Hoffnung auf bessere Diagnostik und Therapie.

Jeder, der im Schwimmbad schon mal zu tief getaucht ist, kennt das panische Gefühl, im nächsten Moment ersticken zu müssen. Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary disease, kurz COPD) erleben diese Angst oft tagtäglich.
Etwa 400’000 Menschen sind in der Schweiz betroffen und die Zahl der Patienten nimmt weiter zu. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass die COPD im Jahr 2030 die vierthäufigste Todesursache weltweit sein wird. Die Liste möglicher Ursachen führt der Spitzenreiter Tabakkonsum an: 90 Prozent der Betroffenen rauchen oder haben geraucht.
Da es jedoch auch Nichtraucher erwischt, spielen offenbar auch andere Faktoren eine Rolle.
So zum Beispiel eine genetische Veranlagung, schwere Lungeninfektionen in der Kindheit und starke Luftverschmutzung. Und auch Menschen, die berufsbedingt Schadstoffe aus Landwirtschaft oder Industrie einatmen, sind vermehrt betroffen. Was die wenigsten wissen: Eine vermeintlich harmlose chronische Bronchitis kann fliessend in eine COPD übergehen.

Entzündet, verengt und überbläht

Sind die Atemwege ständig entzündet, schwillt die Schleimhaut an und produziert vermehrt Sekret. Das Ergebnis: Es wird eng in den Bronchien. Atemnot, ständiger Husten und Auswurf sind die Folge. Hinzu kommt: Es gehen immer mehr der winzigen Lungenbläschen zugrunde, wodurch nicht mehr ausreichend Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut übertritt und der Betroffene nicht mehr richtig ausatmen kann. Wie ein ausgeleierter Luftballon überbläht die Lunge mit der Zeit immer mehr – es entwickelt sich ein sogenanntes Lungenemphysem.

COPD:Hilfreiche Tipps für den Alltag

· In Herz- oder Lungensportgruppen lassen sich körperliche Fitness und Muskelaufbau steigern.

· Physiotherapeuten können vermitteln, wie man die Atmung durch eine bessere Körperhaltung
und spezielle Atemübungen selbst beeinflussen und effektiver machen kann.

· Mit angeleiteten Gedankenreisen lassen sich die Angst vor dem nächsten Anfall und der damit
verbundene Teufelskreis durchbrechen.

· Patienten sollten einen Handventilator mit sich tragen. Bei akuter Atemnot beruhigt der kühle Luftzug die Nervenenden im Gesicht, die ins Gehirn verschaltet sind. Das lindert die Atemnot.

· Auch Angehörige können dem Betroffenen im akuten Anfall zur Seite stehen anstatt hilflos zuzusehen: hinter den Patienten stellen, Hände auf die Schultern legen und leicht nach unten drücken. Das hilft beim Ausatmen und baut Stress ab.

Quelle: Atemnotambulanz Universitätsklinik München

Vielfältige, belastende Symptome

Da Beschwerden oft auf die leichte Schulter genommen werden, schreitet die Erkrankung häufig unbehandelt voran. Anfangs nur unter körperlicher Belastung wie Treppensteigen oder Fahrradfahren, treten die Symptome mit der Zeit schon beim Sprechen oder sogar in Ruhe auf. Häufiger Reflex: Anstrengung vermeiden und sich körperlich schonen. So entsteht ein Teufelskreis, den es so früh wie möglich zu durchbrechen gilt. Auch wenn es schwerfällt, lautet die wichtigste Massnahme: das Rauchen aufgeben. Das Fortschreiten einer COPD lässt sich zwar nicht gänzlich aufhalten,
Patienten können aber lernen, besser mit ihr zu leben. Neben den gängigen medikamentösen Behandlungen ist ein gutes Selbstmanagement eine wichtige Therapiesäule.

Entzündungsmarker im Fokus

In den letzten Jahren hat das Verständnis über die zellulären und molekularen Mechanismen, die zu der Erkrankung führen,
enorm zugenommen. Im Fokus der Forschung der «Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease» (GOLD) stehen die Immun- und Abwehrzellen, die an den Entzündungsvorgängen in der Bronchialschleimhaut beteiligt sind und zum Teil Botenstoffe ausschütten. Solche spezifischen Entzündungsmarker könnten sich schon in frühen Krankheitsstadien durch eine Speichelanalyse oder eine Untersuchung der Ausatemluft nachweisen lassen. Als nichtinvasiven Methoden könnten diese die bisher gängige,
aber unangenehme und aufwändige Lungenspiegelung mit -spülung ablösen und zu einer schnelleren Diagnose führen. Zusätzlich ergeben sich mögliche Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Medikamente, die der spezifischen Entzündungsreaktion gezielt entgegenwirken und nicht nur Symptome bekämpfen