Migräne

Dem Schmerz auf der Spur

Von Nadine Effert · 2017

Heftige Kopfschmerzattacken sind typisch für Migräne.

Forschern ist es gelungen, die komplexen neurologischen Besonderheiten, die der Entstehung der Migräne zugrunde liegen, ein Stück weit mehr aufzudecken, und so den Weg zu besseren Therapien zu ebnen.

Heftige, anfallsartige, pulsierende, meist halbseitige Kopfschmerzen sind typische Symptome einer Migräne, aber längst nicht alle. Auch Übelkeit, Licht-, Geruchs- und Lärmempfindlichkeit gehen oftmals mit dem Gewitter im Kopf einher.

Am sozialen Leben teilnehmen? Arbeiten gehen? So gut wie unmöglich.

In der Schweiz leben rund eine Million Migränepatienten. Wobei es die Migräne nicht gibt: Bereits heute werden klinisch über 30 verschiedene Migräneunterformen differenziert. Dementsprechend sprechen Patienten unterschiedlich auf die verschiedenen Therapieverfahren an. Genauso wenig gibt es nur eine Ursache, wobei jedoch angenommen wird, dass die komplexe Krankheit genetisch bedingt ist. Daher wird auf die Entschlüsselung der genetischen Ursachen besonderes Augenmerk gelegt. In der bislang weltweit grössten Migränestudie, veröffentlicht 2016 im Wissenschaftsjournal «Nature Genetics», konnten 44 neue Genvarianten identifiziert werden, die für die Entstehung einer Migräne eine Rolle spielen.

Professor Hartmut Göbel, Direktor der deutschen Schmerzklinik Kiel und Co-Autor: «Die Daten belegen erstmals, dass die Reaktionsweise der Arterien und der glatten Muskulatur in den Gefässwänden des Blutkreislaufsystems wesentlich für die Migrä­neentstehung ist. Die Arterien versorgen die Nervenzellen des Gehirns mit Sauerstoff und Energie. Eine zeitweise Störung der Versorgung durch die besondere genetische Ausstattung der Betroffenen während der Migräneattacke nimmt nach den neuen Daten eine entscheidende Rolle in der Auslösung von Migräneattacken ein.» Auf Basis dieser Erkenntnis und Analysen könnten in Zukunft Betroffene in bestimmte genetische Risikogruppen unterteilt und durch die Entwicklung individuell personalisierter Therapien besser präventiv und akut behandelt werden.