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Interview

«Ein stabiles Fussgelenk gibt Halt»

Von Dr. med. Georg Klammer, Fussinstitut Zürich · 2017

Durch Übungen auf einem Wackelbrett können die Muskeln wieder stabilisiert werden.

Umknickereignisse des Sprunggelenks gehören zu den häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparats. Dr. Georg Klammer erläutert, welche Therapien für eine Restabilisierung erfolgversprechend sind.

Dr. Klammer, Instabilität im Sprunggelenk ist ein weit verbreitetes Phänomen. Wie kommt es dazu?

Die Ursachen dafür sind zumeist auf ein oder mehrere Umknickereignisse zurückzuführen, wobei die Aussen- oder auch Innenbänder gerissen sind. Verheilen diese Bänderrisse nicht wie gewünscht, kann dies zu einer Instabilität führen.

Woran kann es liegen, dass die Bänder nach einem Riss nicht wieder wunschgemäss verheilen?

Ist die Behandlung nach der Verletzung ungenügend oder kommt es vor Abschluss des Heilungsprozesses immer wieder zu einer Überdehnung der Bänder – schlimmstenfalls mit neuem Umknicken – können die Bänder nicht in korrekter Länge verheilen. Neben den Bändern stabilisiert auch die Muskulatur ein Gelenk. Damit diese im richtigen Moment aktiv wird, benötigt sie Signale aus Sensoren in den Bändern und Kapseln der Gelenke. Beim Unfall werden diese Rezeptoren geschädigt und es braucht Zeit und Training, bis sie wieder hergestellt sind. Bis dahin kann ein zusätzlicher Schutz durch das Tragen einer Bandage während risikoreicher Aktivitäten sinnvoll sein.

Wie lässt sich das Sprunggelenk wieder stabilisieren?

Nach Abklingen der akuten entzündlichen Phase und nach der Ruhigstellung beginnt man je nach Schweregrad der Verletzung bereits nach rund ein oder zwei Wochen mit der Therapie. Erfolgversprechend sind vor allem Übungen, die diese Muskelstabilisation trainieren.
Am Anfang sind dies einfache Übungen wie die einbeinige Kniebeuge, später kann zum Beispiel auf einem Wackelbrett trainiert werden. Aber auch Gehen auf unebenem Boden oder im Wald fördert diese sogenannten propriozeptiven Fähigkeiten. Je besser diese sind, desto geringer ist das erneute Verletzungsrisiko und desto weniger wahrscheinlich verursacht ein geschädigtes Gelenk Beschwerden. Tapeverbände oder weiche Bandagen wirken unterstützend, verhindern ein neues Umknicken aber nicht sicher. Eine schlechte Fussstellung, zum Beispiel beim Hohlfuss, kann begünstigen, dass die Bänder nicht richtig zusammenwachsen. Einlagen bringen die Achsen wieder in eine günstigere Position.

Was raten Sie Patienten, die nach einem halben Jahr immer noch Beschwerden haben?

Wichtig sind zunächst die genaue Anamnese und die klinische Untersuchung. Die Stabilität ist vor allem etwas, was der Arzt mit den Händen spürt: Es gilt zu klären, ob eine reine Aussenband- oder eine kombinierte Instabilität besteht. Aber auch bei stabilen Bändern kann durch unzureichend aktivierte Muskulatur ein Instabilitätsgefühl entstehen. Wichtig ist die Beurteilung der Statik des Fusses im Stehen und Gehen. Beim Röntgen interessieren uns die knöchernen Verhältnisse, zum Beispiel ein mit dem Band ausgerissenes Knochenfragment und die Fussform. Im MRI geht es um die Beurteilung der Bänder und die Suche nach Begleitverletzungen wie etwa der Syndesmose, Sehnen oder Knorpel.

Oftmals kommt es auch zu langanhaltenden Schmerzen. Was steckt dahinter?

Die Instabilität per se kann Schmerzen bereiten. Ständige Scherbewegungen führen zu Entzündungen, es können sich Knochenvorsprünge bilden und aneinander ecken, was zu einem sogenannten Impingement-Syndrom führt. Instabilität ist einer der wichtigsten Gründe für eine Arthrose im Sprunggelenk. Neben Knorpelschäden können zudem Narbenstränge, Sehnen- oder auch Nervenverletzungen für Schmerzen verantwortlich sein.

Wie kann den Schmerzen entgegengewirkt werden?

Je besser die muskuläre Kontrolle, desto weniger kommt es zu Schmerzen. Dazu können Schmerzmittel aber auch Kortisonspritzen die Entzündung abklingen lassen. Eine entlastende Wirkung haben zudem externe Bandagen oder Tapings. Hilft dies alles nichts, muss operiert werden.

Was kann eine OP bewirken?

Das Gelenk wird stabil, die Scherbewegungen verschwinden und das Gelenk kommt zur Ruhe. Eine allfällige Fehlstellung muss zum Beispiel durch ein Verschieben der Ferse mitkorrigiert werden, sonst ist das Risiko einer erneuten Instabilität erhöht. Begleitverletzungen müssen erkannt und mitbehandelt werden.

Was ist zu tun, wenn die Betroffenen trotz OP nach wie vor Beschwerden haben?

Dann gilt es, die Situation neu zu analysieren: Wurden alle Probleme genügend behandelt oder gibt es ein neues Problem? Auch wenn bereits operiert wurde, findet sich oft eine Möglichkeit der Verbesserung.

Im Interview

Dr. med Georg Klammer
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH Fussinstitut Zürich