Diabetes-Forschung

Forschung: Von Bioreaktoren und Hemmern

Von Nadine Effert · 2015

Über die Darmflora soll die Blutzuckereinstellung beeinflusst werden können.

Was hat Diabetes mit Darmbakterien zu tun? Wie können insulinproduzierende Fremd-Inselzellen vor der Abstossung geschützt werden? Auf diese und andere spannende Fragen haben Wissenschaftler Antworten.

Stillstand gibt es in der Forschung nie - auch nicht beim Thema Diabetes. Forschungsanstrengungen fokussieren sich zum Beispiel auf die Ursachen, neue Arzneimittel, die nicht einfach nur den Blutzucker senken, und auf geschlossene Systeme wie der Inselzell-Transplantation. Insbesondere der Diabetes Typ 2 ist auf dem Vormarsch und stellt - gemeinsam mit der Fettleibigkeit (Adipositas) - eine grosse Herausforderung für unser Gesundheitssystem dar.

Diabetes über den Darm erforschen

Hier schliesst sich, laut einer neu angelaufenen medizinischen Studie der Medizinischen Universität Graz (Österreich), der Kreis: Die Forscher gehen nämlich davon aus, dass die Zusammensetzung und Funktion der Darmflora, dem sogenannten Darm-Mikrobiom, einen Einfluss auf Körpergewicht und auf das Ansprechen des Körpers auf Insulin hat. Es hatte sich zuvor herausgestellt, dass es diesbezüglich einen wesentlichen Unterschied bei Über- und Normalgewichtigen gibt. Das Forscherteam untersucht nun an 40 übergewichtigen Diabetikern, was sich mit der Gabe eines Probiotikums über einen längeren Zeitraum an der Darmflora verändert und ob damit das Gewicht, die Blutzuckereinstellung sowie das Ansprechen auf Insulin beeinflusst werden können.

Ein Dose, die Insulin freigibt

Über die Aufstellung einer Hypothese hinaus, sind deutsche Forscher aus Dresden. Am dortigen Universitätsklinikum wurde 2014 erstmals ein sogenannter Bioreaktor, eine kleine Dose mit Inselzellen, bei einem Diabetes Typ 1-Patienten eingesetzt. Die schützende Ummantelung macht durchaus Sinn, denn so werden die fremden Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems und somit vor einer Abstossung geschützt. Noch befindet sich die Bioreaktor-Therapie in der Erprobung. «Wir gehen aber davon aus, dass das System in fünf Jahren eine Option bei der Behandlung des Diabetes sein wird», verkündete Professor Stefan R. Bornstein, unter dessen Leitung die Implantation stattfand, im letzten Jahr. Um das Problem des Mangels an Spender-Bauchspeicheldrüsen zu beheben, wollen die Dresdner Mediziner in einer weiteren Studie die Verwendung insulinproduzierender Inselzellen des Schweins testen.

Neue Antidiabetika in der Pipeline

Orale Antidiabetika (OAD) sind für jene Menschen relevant, die einen Diabetes Typ 2 haben, und bei denen die Umstellung des Lebensstils nichts gebracht hat. Neue Medikamente wie SGTL2-Hemmer führen zu einer insulinunabhängigen Blutzuckersenkung und haben laut Studien einen positiven Einfluss auf bestimmte Folgeerkrankungen. Langfristiges Ziel der Forschung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten zu können.