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Gendermedizin

Gendermedizin? Die bessere Medizin für Sie und Ihn!

Von Annegret Hofmann - «Gendermedizin & Öffentlichkeit» · 2015

Männer und Frauen unterscheiden sich – auch im biologischen Sinne.

Fällt der Begriff «Gendermedizin», denken viele ausschliesslich an «Frauenmedizin». So begann es auch: Feministische Gruppen in den USA und Europa beklagten aus der Wahrnehmung einer gesellschaftlichen Ungleichbehandlung medizinische Unter- und Fehlversorgung bei Frauen.

Aus ihrer Forderung nach Gleichbehandlung und gleichzeitiger Respektierung von Unterschieden zwischen Frau und Mann entwickelten sich die Ansätze der Gender Medicine. Um sie kommt man heute in Forschung und Gesundheitsversorgung nicht mehr herum!
Erst vor wenigen Wochen nahm ich in Berlin an zwei grossen Kongressen zur Geschlechterforschung in der Medizin teil. Unter den mehr als 350 Teilnehmer/innen aus aller Welt war auch Marianne Legato. Die prominente Wissenschaftlerin machte das Thema - über die Grenzen feministischer Diskussion hinaus - öffentlichkeitswirksam: Männer und Frauen unterscheiden sich - auch im biologischen Sinne und im Zusammenspiel mit ihrer Rolle in der Gesellschaft (Sex und Gender!). Anfang des 21. Jahrhunderts erschien Legatos Buch «Eve's Rip», in dem sie als Kardiologin, aber auch mit dem Blick auf andere medizinische Fächer, Erkenntnisse zur geschlechtsspezifischen Medizin vorstellte und die noch vorhandenen Wissenslücken benannte. Dass Frauenherzen anders schlagen als die von Männern, dass es unterschiedliche Symptome beim Herzinfarkt gibt, Medikamente unterschiedlich wirken, dass auch Reha-Massnahmen nach Herzerkrankungen geschlechterspezifisch konzipiert werden sollten - das alles sind Erkenntnisse, die inzwischen bekannt sind.
Aber was ist mit Stressbewältigung, mit Depression? Gibt es Unterschiede auch bei Nierenerkrankungen? Was zeigen die Studienergebnisse in Bezug auf Schmerzempfindungen bei Frauen und Männern? Welche Unterschiede müssen beim Diabetes berücksichtigt werden? Was ist bei der Krebstherapie zu beachten? Und wie gelingt es, inzwischen vorhandene Ergebnisse schnell nutzbar zu machen? Eine Fragestellung, die Legato in den USA von Anbeginn mit in ihre Überlegungen einbezog: Wie interessiert man Gesundheitssystem und Gesundheitswirtschaft (in erster Linie auch die Pharmaindustrie!) an den Erkenntnissen?
Bringt die neue Sicht auf die Medizin etwas für Patientinnen und Patienten? Unbedingt ja! Wenn wir heute wissen, dass ein grosser Teil der Medikamente nicht geschlechterspezifisch entwickelt und getestet wird, kann man sich auch erklären, warum viele verordnete Arzneimittel nicht eingenommen werden - wegen Nebenwirkungen, Unverträglichkeit und anderen Gründen.Die Kosten dafür gehen jahrlich in die Millionen, auch in der Schweiz. Im Zusammenhang auch mit der Diskussion um eine individualisierte Medizin rücken die Fragen der Geschlechtsspezifik in der Arzneimittelentwicklung und -verordnung weiter in den Vordergrund.
Patientinnen und Patienten sollten ihren Arzt, ihre Ärztin fragen: Wurde das mir verordnete Medikament geschlechtsspezifisch getestet? Ärzte in der Praxis sind ebenso wie Kliniker herausgefordert, sich neue Erkenntnisse anzueignen - im Interesse der Gesundheit ihrer Klientel.
Sowohl in die Medizineraus- wie auch in der -weiterbildung muss die geschlechtersensible Medizin integriert werden. In Österreich kann eine entsprechende Weiterbildung jetzt an den Unis in Wien und Innsbruck gemeinsam mit der Ärztekammer erlangt werden. In Deutschland ist es bislang bei der Deutschen Gesellschaft für Geschlechterforschung in der Medizin möglich.
Mehr über Gendermedizin wissen, weil es um eine bessere Medizin für Sie und Ihn, für Alt und Jung geht. Diesem Anliegen hat sich unser Netzwerk «Gendermedizin & Öffentlichkeit» verschrieben, 2011 gegründet und europaweit immer stärker wahrgenommen. Wir wenden uns dabei nicht nur an Wissenschaftler/innen und Ärzte und Ärztinnen, sondern an alle Interessierte, die mehr über Gendermedizin wissen wollen, Kontakte und Erfahrungsaustausch suchen. Wir wollen diejenigen, die Forschungen betreiben, mit denen zusammenbringen, die diese Ergebnisse auch wirtschaftlich nutzen könnten. Im Interesse von Patientinnen und Patienten. Unsere Website www.gendermed.info informiert über Stand und Forschungen aus allen Gebieten, bietet Kontakte, Kooperationen und Vernetzungen an.

Zur Autorin

Annegret Hofmann
Medizinjournalistin
Sprecherin des Netzwerks «Gendermedizin & Öffentlichkeit»
annegret.hofmann@mediencity.de
www.gendermed.info