Psyche und Arbeit

Hilfsangebote nutzen

Von Otmar Rheinhold · 2014

Psychische Erkrankungen bedeuten nicht automatisch Arbeitslosigkeit und ein ewiges Leben als IV-Rentner. Allerdings stellen sie an alle Beteiligten grosse Herausforderungen,
und die Gesetzeslage ist oft schwierig.
Doch es gibt zahlreiche Anlaufstellen.

Arbeiten, obwohl man psychisch krank ist? Nach einer längeren Unterbrechung wieder anfangen? Als junger Mensch mit psychischen Problemen gar zum ersten Mal überhaupt eine Arbeit aufnehmen? Kein Zweifel, psychische Erkrankungen mindern in vielen Fällen die Berufschancen erheblich. Hinzu kommt, dass sie oft von aussen nicht erkennbar sind und Betroffene oft wenig Verständnis von ihrer Umwelt, den lieben Kollegen und dem Arbeitgeber bekommen. Wer psychisch krank ist, hat in unserer Gesellschaft leider immer noch ein Stigma, und das wirkt sich besonders am Arbeitsplatz aus. Psychische Erkrankungen führen zudem oft in Zustände, die eine geordnete, von Eigeninitiative bestimmte Wiedereingliederung erschweren. Viele Erkrankte können die Erwartungshaltungen ihrer Umwelt ans «Funktionieren» nicht erfüllen, sind oft auf Dauer nur beschränkt einsatzfähig. Betroffene brauchen deshalb Hilfe, Rat und Verständnis. Wer weiss, wo es die gibt, kann mit der Situation durchaus klarkommen. 

Erkrankung im Job

Wer im Job erkrankt – bei wem sich beispielsweise eine Angststörung oder eine Depression bemerkbar macht –, der dürfte auch heutzutage lange Zeit verstreichen lassen, über sein Problem zu sprechen. Zu gross sind die Anforderungen an Leistungsfähigkeit, Erreichbarkeit und allseitiger Flexibilität. Doch wer seine Situation zu lang verschweigt, macht alles noch viel schlimmer. Oft ist dann die Chance vertan, mit dem Arbeitgeber gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, und es folgt die Kündigung. Besser ist es, frühzeitig offen mit einer Vertrauensperson zu sprechen. Immerhin: Arbeitgeber haben per Gesetz die Pflicht, sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu kümmern.  Früh sollte der Einbezug des betriebsärztlichen Dienstes mit dem Versicherungsträger des Arbeitnehmers erfolgen. So können Wiedereingliederungsmassnahmen, zum Beispiel die temporäre Reduktion des Arbeitsvolumens während einer Therapie, mit allen Beteiligten geklärt werden. Auch die Anmeldung bei der IV kann hilfreich sein, da zu ihren Aufgaben auch Frühinterventionen zur Verhinderung des Arbeitsplatzverlustes gehören. Natürlich sollte auch der Hausarzt konsultiert werden. Generell sollten Arbeitnehmer sich mit so früh wie möglich nach einer Diagnosestellung mit ihren Versicherungsträgern in Verbindung setzen, um Ansprüche abklären zu lassen

Wiederaufnahme der Arbeit 

Wer wegen einer psychischen Erkrankung länger nicht gearbeitet hat und wieder eine Beschäftigung sucht, sollte sich zunächst ehrlich selbst prüfen. Was ist für mich möglich? Was will ich? Gibt es Strukturen, die mich bei einem Rückfall auffangen? Gespräche mit Selbsthilfegruppen, mit Freunden, der Familie oder auch den behandelnden Ärzten helfen. Für die Unterstützung bei der Arbeitsaufnahme sind die AHV und die IV zuständig. Die Zuständigkeiten überschneiden sich hier, am besten suchen Betroffene das Gespräch mit beiden. Generell bietet jedoch die IV eher individuelle Eingliederungsmassnahmen und konkrete Unterstützung auch finanzieller Art. Sie kann auch dabei helfen, eine Arbeitsstelle in einer geschützten Umgebung zu bekommen. Generell gilt: Je früher psychisch Kranke – solange sie grundsätzlich dazu in der Lage sind – wieder mit der Arbeitswelt in Berührung kommen, desto besser.

Der erste Job

Auch bei jungen Menschen greifen im Prinzip dieselben Unterstützungsmassnahmen durch AHV und IV. Doch gerade junge Leute mit psychischen Problemen brauchen eine besondere Art der Berufsvorbereitung. Denn sie müssen nicht nur besonders intensiv fürs Leben fit gemacht werden, vielen fällt in ihrer Situation auch besonders schwer, überhaupt mit der Arbeitswelt zurechtzukommen. Pünktlich sein, sich einordnen, berufliche Stresssituationen sind schon für «normale» Jugendliche echte Prüfungen. Für Jugendliche mit psychischen Problemen können sie zu riesigen Problemen werden. Zudem braucht es jemanden, der sie begleitet. Nicht zuletzt sollte der Arbeitgeber mitspielen und unterstützen. Es gibt Hilfseinrichtungen wie Tagesstätten, offene Projekte oder Wohnprogramme, die sich speziell an Jugendliche errichten und ihnen den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Die Sozialberatung der Wohngemeinde und die behandelnden Ärzte und andere Fachpersonen können in der Regel helfen, sie zu finden. Sie sind auch erster Ansprechpartner, wenn es um Unterstützung im Umgang mit der IV geht.

Viele Hilfsangebote

In der Schweiz ist der Zugang zu psychologischer Behandlung gut. Dennoch sehen sich Betroffene, gerade was das Arbeitsleben angeht, vor einem Dschungel an Herausforderungen. 

Zum Glück bieten zahlreiche Stellen Hilfe. Hier eine kleine Auswahl:
Hausarzt oder -ärztin: Oftmals der erste Ansprechpartner.

Dasselbe gilt für die Sozialberatung der jeweiligen Wohngemeinde.
Auch seinen Versicherungsträger sollte der Arbeitnehmer früh kontaktieren. 

Zuständige IV-Stelle: 
www.ausgleichskasse.ch

Die Stiftung Pro Mente Sana unterstützt die Anliegen psychisch kranker Menschen und berät umfassend auch bei Arbeitsplatzfragen: 
www.promentesana.ch

Vermittlung von Selbsthilfegruppen:
www.selbsthilfeschweiz.ch