Männergesundheit

Mann, tu’ was für dich!

Von Wiebke Toebelmann · 2019

Zu viele Kilos sind eine Hauptursache für Herz-Kreislauferkrankungen

Männer sind weniger gesundheitsbewusst als Frauen. Dabei gibt es viele Krankheiten, die sie durch einen gesunden Lebensstil und Vorsorgeuntersuchungen vermeiden oder zumindest früher erkennen können.

Frauen werden älter als Männer – das ist mehr als eine Binsenweisheit, sondern Realität. In der Schweiz sterben Männer durchschnittlich immerhin sechs Jahre früher. Wer jetzt glaubt, das liege einzig und allein an der Genetik, der irrt: Tatsächlich ist der Lebensstil schuld, dem Männer frönen. Ihr grösster Fehler: Sie gehen bei Beschwerden deutlich seltener zum Arzt als Frauen und lassen auch gern die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen schleifen.

Übergewicht geht aufs Herz

Viele gesundheitliche Probleme von Männern sind hausgemacht. In der Schweiz ist tatsächlich jeder dritte Mann übergewichtig. Zu viele Kilos sind eine Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Starkes Übergewicht kann zudem das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und sogar Krebs erhöhen. Ein Steak, Pommes und dazu ein kühles Bier? Die Pfunde, die sie bei solch einer einseitigen, fettreichen Ernährung zulegen, lagern sich bei Männern meist in der Körpermitte ab. Der Bauch ist aber eine gefährliche Problemzone. Das Bauchfett, oder Viszeralfett, schüttet entzündungsfördernde Botenstoffe sowie Hormone aus. Die Folge: Blutdruck und –zucker sowie Blutfettwerte erhöhen sich und der gesamte Stoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht. Ein weiterer Effekt: Das Sättigungshormon Leptin wird ausgebremst und der Besitzer des dicken Bauches wird dauerhungrig. Und je mehr fettreiche Nahrung er zu sich nimmt, desto mehr steigt auch das Risiko für Herz- und Gefässerkrankungen, wie Herzverfettung und Infarkt.

Ernährung: Schlüssel zur Gesundheit

Studien zeigen eindeutig: Für die Männer ist in puncto Ernährung noch viel Luft nach oben. Laut Bundesamt für Statistik achten rund 74 Prozent der Frauen auf ihre Ernährung – und nur 60 Prozent der Männer. Gerade mal zwölf Prozent essen an fünf Tagen in der Woche mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse – im Gegensatz zu 26 Prozent der Frauen. Und dann gibt es da noch ein Lieblingsessen der Männer: Fleisch. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gab im März bekannt, dass die Schweizer 980 Gramm Fleisch- und Wurstwaren pro Woche verzehren, während Schweizerinnen 570 Gramm konsumieren. Merke: Empfohlen werden lediglich 240 Gramm wöchentlich. Gerade Bürohengste könnten etwas für ihre Gesundheit tun, indem sie als Ausgleich Sport treiben und ihre Ernährung auf Basis von vitaminreicher Kost und mehrfach ungesättigten Fettsäuren umstellen.

Keine Lust auf Krebsvorsorge

So manche Krankheit lässt sich aber nicht durch Ernährung, sondern nur durch Vorsorge beeinflussen. Beispiel: Prostatakrebs. Laut der Schweizer Krebsliga gibt es hierzulande jährlich 5‘900 Neuerkrankungen und 60’000 sind insgesamt betroffen. Das macht Prostatakrebs zum traurigen Spitzenreiter aller Krebserkrankungen bei Männern. Typisch für die Krankheit: Sie kommt oftmals schleichend und unbemerkt. Doch gibt es auch durchaus schnellwachsende Tumoren, die Metastasen bilden. Symptome bei Prostatakrebs variieren, doch zumeist klagen die Betroffenen über Prostataschmerzen, Blut im Urin und Pro­bleme beim Wasserlösen. Letzteres kann geschehen, wenn der Krebs die Harnröhre einengt. Ab 45 wird die Vorsorgeuntersuchung beim Urologen empfohlen, der die Prostata über den Enddarm abtastet. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt eventuelle Vergrösserungen.

Zahlen von unserem Nachbarn Deutschland beweisen: Männer sind absolute Vorsorgemuffel. Laut der Studie einer grossen Krankenkasse geht nur jeder neunte Mann zur Prostatakrebsvorsorge. In der Hauptrisikogruppe zwischen 55 und 70 Jahren gehen nur sieben Prozent zur Darmspiegelung, bei den Frauen sind es immerhin zehn Prozent. Zwar gibt es für die Schweiz keine aktuellen Zahlen, doch monieren auch hierzulande Ärzte und Versicherer, wie nachlässig die männliche Bevölkerung ist in Hinsicht auf Vorsorgeuntersuchungen. Daher gilt: Nicht erst zum Arzt, wenn’s richtig wehtut, sondern lieber regelmässige Check-ups nutzen.