Chronische Schmerzen

Mit kombinierter Therapie chronischen Schmerzen zu Leibe rücken

Von Peter Mueller · 2014

Die Behandlung chronischer Schmerzen stellt oft ein grosses Problem dar, da die Ursachen oft nicht komplett geklärt werden können.

Patienten mit chronischen Schmerzen stehen oft unter grossem Rechtfertigungsdruck. Sie können leicht das Gefühl bekommen, dass man ihnen ihre Schmerzen nicht abnimmt. Gerade, wenn bei «hartnäckigen Rückenschmerzen» kein klarer körperlicher Grund diagnostiziert werden kann, führt dies schnell zu neuen Ängsten und Unsicherheiten bei den Betroffenen. Dabei sind oft psychische Faktoren an der Ausprägung lang anhaltender Schmerzen beteiligt. Das heisst allerdings nicht, dass die Schmerzen eingebildet oder weniger echt sind. Zur erfolgreichen Schmerztherapie gehören deshalb nicht nur körperliche Untersuchungen und Massnahmen wie Physiotherapie, sondern auch die Suche nach akuten, aber möglicherweise auch länger zurückliegenden mentalen Ursachen für wiederkehrende Schmerzen.

Viele Ursachen für chronische Schmerzen

Chronische Schmerzen können viele Gründe haben. Durch jahrelange Fehlhaltungen etwa am Arbeitsplatz, können sich orthopädische Probleme ausprägen. Der Bewegungsapparat verschleisst mit zunehmendem Alter und kann zum Beispiel eine Arthrose, also eine Veränderung der Gelenke durch eine andauernde Belastung, ausprägen. Ebenso könnte eine rheumatische Erkrankung oder eine Schilddrüsenfehlfunktion für diffuse Schmerzen verantwortlich sein. Auch Medikamente können Schmerzen als Nebenwirkung mit sich bringen, wie etwa Cholesterin senkende Arzneimittel. Nicht zuletzt verursachen Gefäss- und Nervenkrankheiten oder Tumore manchmal andauernde Schmerzen. Besonders schwierig sind Fälle, in denen keine klare körperliche Ursache identifiziert werden kann.

Bei Schmerzen in verschiedenen Körperregionen kommt das Fibromyalgiesyndrom infrage

Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist eine Krankheit, die durch chronische Schmerzen an verschiedenen Körperteilen charakterisiert ist. Es bestehen also zum Beispiel nicht nur Schmerzen im Rückenbereich, sondern auch in Armen und Beinen und in Brust oder Bauch. Wörtlich steht Fibromyalgie für «Faser-Muskel-Schmerz». Zu den Symptomen zählen auch anhaltende Müdigkeit und Schlafstörungen. Für Patienten ist das eintretende Gefühl der Ohnmacht neben den Schmerzen selbst besonders belastend. Sie haben das Gefühl, ihren Schmerzen ausgeliefert zu sein, da keine klare, behandelbare Ursache erkennbar ist. Oft reihen sich viele Besuche bei Fachärzten aneinander, bis im Durchschnitt nach etwa drei bis fünf Jahren die Diagnose FMS gestellt wird. Etwa zwei Prozent der Menschen sind davon betroffen. Die Krankheit tritt vor allem im mittleren Lebensalter zwischen 40 und 60 Jahren auf, wird in selteneren Fällen aber auch bei Kindern und Jugendlichen oder Senioren diagnostiziert. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Ursachen sind bis heute ungeklärt. Es wird aber ein Einfluss mehrerer Umstände, wie zum Beispiel persönliche Veranlagung, dauerhafte Überlastung, schlimme Lebensereignisse oder schlecht verarbeiteter Stress vermutet.

Mit Physio- und Psychotherapie gegen Schmerzen

Zur Behandlung dieses Syndroms – aber auch anderer chronischer Schmerzen – wird regelmässiges leichtes körperliches Training empfohlen. Geeignete Übungen können in physiotherapeutischen Sitzungen eingeübt werden. Permanente Anspannung der Tiefenmuskulatur und damit verbundene Versteifungen und Verkürzungen von Muskelpartien können in diesem Zusammenhang ebenfalls Gründe für chronische Schmerzen sein. Daneben ist aber auch die Behandlung der psychischen Situation der Patienten wichtig. Ein bewusster Umgang mit den eigenen Schmerzen kann bereits zu einer Verbesserung des Befindens führen. Statt eines Ankämpfens gegen die Beschwerden zielen psychotherapeutische Massnahmen auf eine Akzeptanz des Schmerzes und ein «Loslassen» im Umgang damit. Neben solchen verhaltenstherapeutischen Ansätzen ist aber auch die Erforschung der psychischen Hintergründe der Patienten wichtig. Traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit wie der Tod eines nahen Angehörigen können an einer Veranlagung zu chronischen Schmerzen ebenso beteiligt sein wie zwischenmenschliche Probleme am Arbeitsplatz. Auch wer sich immer zusammenreisst und eigene Gefühle nicht zeigt, wenn etwa Familienmitglieder oder Freunde eine schwere Krankheit durchleiden, kann unter Umständen ein dauerhaftes Schmerzempfinden entwickeln. Das Auffinden, Anerkennen und Bearbeiten solcher psychischer Faktoren kann in manchen Fällen der erste Schritt zu einer Besserung der Beschwerden sein.