Schmerzen im Bewegungsapparat

Raus aus der Schmerzfalle

Von Tobias Lemser · 2017

Chronischer Schmerz ist ein eigenständiges Krankheitsbild.

Haben sich Schmerzen erst einmal chronifiziert, ist es schwer, diesem Teufelskreis zu entrinnen. Doch viele Therapien machen Hoffnung, dass sich der Dauerschmerz gar nicht erst festsetzt.

Sie pochen, brennen und stechen. Auch wenn sich Schmerzen aufgrund der unterschiedlichen Wahrnehmung nicht miteinander vergleichen lassen, haben sie doch eines gemeinsam: Sie sind unangenehm und man möchte sie schnellstmöglich wieder loswerden. Doch wie wird Schmerz überhaupt definiert? Laut der Weltschmerzorganisation ist Schmerz ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer aktuellen oder potentiellen Gewebeschädigung verknüpft ist.

Akute und chronische Schmerzen

Jedoch: Schmerz ist überlebenswichtig. Dient er doch als Warnsignal und soll den Körper schützen, indem er zum Beispiel auf eine Verletzung oder eine drohende Gewebeschädigung hinweist. Einem akuten Schmerz geht in den meisten Fällen ein Reiz voraus, der sowohl lokal als auch zeitlich begrenzt ist. Entscheidend jedoch ist: Akuter Schmerz verschwindet wieder, sobald die Ursache geheilt ist, so wie etwa nach einer Zahnwurzelbehandlung.
Anders, wenn Schmerzen über einen langen Zeitraum bestehen bleiben und nicht mehr mit einem bestimmten Auslöser in Verbindung gebracht werden können. In diesem Fall ist von chronischem Schmerz die Rede – ein Zustand, der für die Betroffenen eine grosse Belastung ist und die Lebensqualität erheblich einschränken kann. Laut der Schmerzliga Schweiz leiden schweizweit rund 1,25 Millionen Personen an chronischen Schmerzen, davon gelten gut 450’000 als «schmerzkrank».
Typische Erkrankungen, die in chronischen Schmerzen münden können, sind entzündliche und degenerative Veränderungen der Gelenke, Kopfschmerzen und Migräne genauso wie Rücken­schmerzen. Gerade wenn der Schmerz chronisch ist, also länger als drei Monate andauert, entwickelt er sich – unabhängig von der Ursache – zu einem eigenständigen Krankheitsbild und wird zum täglichen Begleiter. Experten sprechen dann vom sogenannten Schmerzgedächtnis. Das heisst: Nervenzellen merken sich den Schmerzreiz und lösen ihn auch aus, wenn gar kein Grund mehr dafür besteht.

Schnelles Handeln gefragt

Was also tun, damit es so weit nicht kommt? Da jede Leidensgeschichte häufig damit beginnt, dass Schmerzen vernachlässigt werden, ist es wichtig, jede Form von Schmerz ernst zu nehmen und entsprechend zu behandeln. Beispiel Gelenkarthrose, bei der die Knorpelschicht des Gelenks infolge des natürlichen Alterungsprozesses sukzessive zerstört wird und die Knochen aneinander reiben. Nach Angaben der Rheumaliga Schweiz leiden rund 90 Prozent aller über 65-Jährigen an Gelenkarthrose.
Um etwa die Kniegelenke zu entlasten, sollten Betroffene schnellstmöglich mit Bewegungs- und Ergotherapie beginnen. Hierdurch wird die Produktion von Gelenkschmiere gefördert und die Elastizität von bereits angegriffenen Gelenken erhalten. Ist keine Besserung in Sicht, kann bei geringen Schäden eine sogenannte Mikrofrakturierung zum Einsatz kommen – eine Therapie, bei der durch Knochenmarkstimulation Ersatzknorpel gebildet werden soll. Sind die Schäden grösser, haben sich verschiedene Knorpelersatzverfahren wie etwa die Knorpelzelltransplantation bewährt.
Neue innovative Operationsverfahren werden ebenso im Fussgelenk angewandt, etwa dann, wenn das Knochen- und Knorpelgewebe am Sprunggelenk geschädigt ist. Sogenannte osteochondrale Läsionen, die insbesondere unter Belastung auf der Innen- und Aussenseite des oberen Sprunggelenks Schmerzen auslösen, können mithilfe der Autologen Matrixinduzierten Chondrogenese (AMIC) therapiert werden. Das Besondere daran: Nach Ausschabung der Läsion und Anbohrung der Knochen wird Knochenmark in die defekte und anschliessend versiegelte Region gebracht.

Alternativ zum Ziel

Doch es muss nicht immer eine Operation sein, um Schmerzen den Garaus zu machen: Dies gilt insbesondere bei der Bekämpfung von Kopfschmerzen und Migräne, die immer mehr Betroffene inzwischen mittels alternativer Methoden wie Akupunktur, Osteopathie oder Entspannungsübungen besser in den Griff bekommen.
Und manchmal reicht es bereits aus, im Alltag einige kleine Veränderungen vorzunehmen, wie etwa die Investition in ergonomische Büromöbel. Denn wer aktiv, dynamisch und somit rückenfreundlich sitzt, erhöht nicht nur die Konzentra­tions- und Leistungsfähigkeit, sondern stärkt zugleich Muskeln und entlastet Bandscheiben – damit sich pochende, bohrende chronische Schmer­zen gar nicht erst manifestieren.