Psyche

Schnittstelle zwischen Körper und Geist

Von Nadine Effert · 2015

Entspannungsübungen wirken auf die Durchblutung des Hirns.

Wer positiv denkt, lebt länger. Doch haben unsere Gedanken, Vorstellungen und Emotionen wirklich einen Einfluss auf unsere Gesundheit? Studien zufolge lautet die Antwort: ja.

Krankheiten einfach wegdenken? Das ist wohl eher Utopie. Allerdings haben unser Denken und seelisches Wohlbefinden durchaus einen Effekt auf unsere körperliche Konstitution. Das belegen zum Beispiel Studien, die den Einfluss von Entspannungsübungen untersucht haben. Forscher der Havard University konnten die Auswirkungen von Meditation mittels funktioneller Kernspinuntersuchung messen. Es zeigte sich, dass es direkt nach der Meditation zu einer stärkeren Durchblutung von Teilen des präfrontalen Kortex kommt. Hier liegen jene Areale, die für das Regulieren von Gefühlen verantwortlich sind, und die ebenso bei positivem Denken aktiv sind. 

Warum Placebo-Medikamente wirken

Am eindrucksvollsten zeigt sich der Zusammenhang zwischen psychischen Vorgängen und körperlichen Veränderungen beim Einsatz von Placebo-Medikamenten. Dass sie durchaus eine Wirkung zum Beispiel auf eine Schmerzlinderung erzielen, liegt an den positiven Erwartungen der Patienten an die Therapie. Die Aktivierung des präfrontalen Kortex hat zur Folge, dass bestimmte biochemische Veränderungen im Hirn stattfinden, die wiederum die Schmerzqualität beeinflussen und die Schmerzstärke reduzieren. Heisst: Allein der Glaube an die Wirksamkeit trägt zur Heilung bei. 
Umgekehrt kann ein negatives Gefühl gegenüber dem (echten) Medikament und dessen Nebenwirkungen die Wirkung schmälern oder gar aufheben. Man spricht in diesem Fall von einer Nocebowirkung, die auch durch ein schlechtes, nicht auf Vertrauen beruhendes Verhältnis zum Arzt oder Therapeuten ausgelöst werden kann.

Einfluss von Einsamkeit und Depression

Auf einem ähnlichen Prinzip beruht die Wirkung von sozialen Kontakten. Eine Forschergruppe aus den USA rund um Julianne Holt-Lunstad analysierte die Daten von 300'000 Menschen und kam zu den Ergebnis, dass die Überlebensrate um 50 Prozent höher war, wenn sie über soziale Bindungen verfügen, also nicht einsam waren.
Ein weiteres beeindruckendes Beispiel ist der Zusammenhang von Depressivität und Schlaganfallrisiko. Eine grosse amerikanische Studie konnte beweisen, dass Menschen mit Depressionen ein um 45 Prozent höheres Schlaganfall-Risiko aufweisen als nicht depressive Menschen. Die Tatsache, dass etwa 16 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken und allein in der Schweiz 16'000 Patienten pro Jahr einen Schlaganfall haben, rückt Depressivität als Risikofaktor für das Auftreten eines Schlaganfalls in ein völlig anderes Licht.