Suchterkrankungen

Süchte – klassisch bis modern

Von Otmar Rheinhold · 2014

Die klassischen Suchtmittel sind in der Schweiz nach wie vor weit verbreitet. Zu viel getrunken wird vor allem von jungen Erwachsenen. Problematischer Onlinekonsum ist in Spurenelementen vorhanden.

Wie halten es die Schweizer mit den Drogen – mit den klassischen ebenso wie mit den neuen? Gibt es zum Beispiel wirklich so etwas wie Internetsucht? Zu vielen Feldern liegen kaum verlässliche Zahlen vor. Zu einigen sagt immerhin der Fachverband Sucht für das Jahr 2012 etwas. Beispiel Alkohol: 10,3 Prozent der Bevölkerung gaben an, täglich Alkohol zu trinken. Dabei greifen Männer mit 14,4 Prozent deutlich häufiger zum Glas als Frauen (6,5 Prozent). Der tägliche Konsum war damit im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. 

Alkohol und Rauchen weit verbreitet

«Chronisch risikoreich» trinken am ehesten die 20- bis 24-Jährigen mit durchschnittlich 5 Prozent und die 65- bis 47-Jährigen mit 7,6 Prozent. Deutlicher sind die Unterschiede beim Rauschtrinken: 15 Prozent der 15- bis 19-Jährigen trinken einmal in der Woche bis zum Umfallen, mit 23 Prozent am häufigsten die 20- bis 24-Jährigen, bei der ältesten Gruppe sind es nur noch 2 Prozent. Generell trinken Frauen weniger als Männer. Von 1`600 Alkoholtoten geht das Bundesamt für Gesundheit für 2013 aus. 
Was das Rauchen angeht: Der Anteil der Raucher an der Bevölkerung ab 15 Jahren liegt bei 25,9 Prozent, als regelmässige Raucher bezeichnen sich 18,9 Prozent. Insgesamt rauchen mehr Männer als Frauen. Bei Männern korreliert Rauchen häufig mit einer niedrigeren formalen Bildung, bei Frauen hingegen nicht. 

Kaum Internetsüchtige

Am weitesten verbreitet ist neben diesen Drogen der Gebrauch von Cannabis: 30 Prozent aller Schweizer über 15 Jahren hatten den Stoff laut eigener Aussagen schon einmal konsumiert. Daneben findet sich in der befragten Gruppe noch Kokain mit 3,5 Prozent und Heroin mit 0,9 Prozent. Und die Internetsucht? Das Bundesamt für Gesundheit hat das Thema im vergangenen Jahr untersuchen lassen. Internationale Normen für die Internetsucht gibt es noch nicht, Fragebogen orientieren sich zum Beispiel an Untersuchungen zur Spielesucht und fragen ab, wie schwer es Internetnutzern fällt, wieder offline zu gehen, täglichen Pflichten nachzukommen oder ob sie Schlafschwierigkeiten haben. Es gibt solche Personen – und zwar, der Internetnutzung nach, fast ausschliesslich bei den unter 35-Jährigen. Eine Epidemie ist aber nicht ausgebrochen: Die Bundesagentur gibt eine Verbreitung von nur 0,9 Prozent der befragten über 15-Jährigen an.
Therapeutische Angebote sind natürlich nötig. Als Königsweg gilt ein integrierter Ansatz: Gesteuert von einer zentralen öffentlichen Stelle – und oft als erste Anlaufstelle fungierend –, werden sämtliche Hilfsangebote privater und öffentlicher, ambulanter und stationärer Natur miteinander vernetzt. Das garantiert optimale und effiziente Hilfe – und damit die beste Hilfe für die Betroffenen.