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Unternehmensbeitrag

«Ohne eine exakte Ursachen­forschung lässt sich Inkontinenz nicht behandeln»

Von Uroviva – Spezialklinik für Urologie · 2015

Uroviva – Spezialklinik für Urologie in Zürich. Die familiäre Grösse erlaubt eine persönliche und umfassende Betreuung.

Schätzungsweise 500’000 Frauen in der Schweiz leiden unter einer Harninkontinenz. Doch längst nicht alle suchen einen Arzt auf – aus Scham. Dabei ist eine Inkontinenz gut therapierbar, wie Dr. med. Susanne Reichert weiss.

Wir gehen ganz selbstverständlich mehrmals am Tag zur Toilette. Das damit in Verbindung stehende Organ, die Blase, nehmen wir in der Regel nur wahr, wenn es gefüllt ist. Wie funktioniert das Wasserlassen konkret?

Grundsätzlich besteht die normale Funktion der Harnblase darin, den Urin, der rund um die Uhr von den Nieren produziert wird, zu speichern und diesen kontrolliert zu entleeren. Wenn sich die Blase mit Urin füllt, messen Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand den Füllungszustand innerhalb des Organs. Ab einem bestimmten Wert - bei Frauen etwa bei einer Menge von 350 bis 400 Millilitern - wird diese Information über Zentren im Rückenmark an die Grosshirnrinde weitergeleitet. Als Folge verspüren wir den Drang, auf Toilette gehen zu müssen.

Wieso passiert die Entleerung der Blase erst, wenn wir auf dem «stillen Örtchen» sind?

Vom Gehirn geht ein Hemmmechanismus aus, damit sich der Blasenmuskel nicht einfach zusammenziehen kann und der Urin unkontrolliert über die Harnröhre den Körper verlässt. Erst wenn wir auf der Toilette sind, kommt es zu einer Entspannung des inneren Schliessmuskels und einem Öffnen des Blasenausgangs. Das Grosshirn sendet hierzu entsprechende Informationen an das Blasenzentrum im Rückenmark. Die Muskulatur der Blasenwand kontrahiert sich und der Urin wird entleert. Danach schliesst sich der innere Schliessmuskel, der direkt am Beginn der Harnröhre liegt, wieder automatisch. Den inneren Schliessmuskel können wir nicht willentlich beeinflussen, wohingegen der äussere beim Wasserlassen bewusst geöffnet werden kann. Der gesamte Vorgang setzt eine intakte Hirn-, Rückenmark- und Nervenleistung voraus.

Menschen, die unter einer Blasenschwäche – im Fachjargon Harninkontinenz genannt – leiden, haben Probleme, den Harn zurückzuhalten. Woran liegt das?

Auch wenn der im allgemeinen Sprachgebrauch verwendete Begriff «Blasenschwäche» es vermuten lässt, ist die Blase nicht unbedingt «schuld» an einer Inkontinenz. Es kommt ganz darauf an, um welche Form von Inkontinenz es sich handelt. Am häufigsten treten die Belastungs- und Dranginkontinenz auf. Die Ursache für eine Belastungsinkontinenz, unter der übrigens Frauen öfters leiden als Männer, liegt oftmals in einer Schwäche des Beckenbodens, wohingegen bei der Dranginkontinenz eine Störung des Zusammenspiels zwischen Blasenmuskulatur, Dehnungsrezeptoren und Informationsverarbeitung im Gehirn infrage kommt. Diese Störung kann organische oder neurologische Ursachen haben, aber durch die Psyche bedingt sein.

Sie erwähnten gerade, dass eine Belastungsinkontinenz eher ein Frauenleiden ist. Warum ist das so?

Dafür muss man erst einmal wissen, dass der Beckenboden, genauer gesagt dessen Muskeln und Bänder, die Beckenorgane in Position halten und den Blasenschliessmuskel stützen. Ist der Beckenboden geschwächt, «leiern» die Bänder aus, das Bindegewebe gibt nach und die Beckenorgane können nach unten Richtung Damm absinken. Diese Veränderungen führen dazu, dass dem Schliessmuskel der Blase die nötige Stütze fehlt und der Verschluss der Harnröhre nicht mehr zuverlässig funktioniert. Warum Frauen häufiger von einer Belastungsinkontinenz betroffen sind, liegt zum Beispiel daran, dass sie eine vergleichsweise schwächere Beckenbodenmuskulatur haben als Männer, die durch Schwangerschaft und Geburt zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen wird. So kann sowohl in den letzten Schwangerschaftsmonaten als auch direkt nach einer Entbindung eine Inkontinenz auftreten, die allerdings in der Regel nach einiger Zeit wieder verschwindet.

Gibt es neben Schwangerschaft und Geburt weitere Ursachen?

Ja, in der Tat. Auch eine Operation oder Medikamenteneinnahme kann den Schliessmuskelapparat beeinträchtigen und somit Auslöser für eine Belastungsinkontinenz sein. Genauso können Übergewicht und starke körperliche Belastungen auf Dauer ein Risiko darstellen und den Beckenboden strapazieren. Das Auftreten ist also nicht vom Alter der Patientinnen abhängig, wobei natürlich das Bindegewebe im allgemeinen mit zunehmendem Alter schwächer wird - oftmals verstärkt durch die Hormonumstellung in den Wechseljahren, die auch mit einer schlechteren Durchblutung der Blasenschleimhaut einhergeht.

Sprechzimmer in Zürich Stadelhofen – Ziel ist es, den Klinikaufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Wohingegen die Häufigkeit der Drangharninkontinenz mit zunehmendem Alter linear ansteigt...

Richtig. Vor allem ältere Menschen leiden an einem starken und plötzlich einsetzenden Harndrang. Vermehrt tritt eine Drangharninkontinenz nach einem Schlaganfall, bei Morbus Parkinson oder einem Gehirntumor auf, also Erkrankungen, deren Risiko mit zunehmendem Alter steigt. Die Mechanismen, die hinter einer Drangharninkontinenz liegen, sind noch nicht vollständig geklärt. Die Alterung des Blasenmuskels und der Blasenschleimhaut könnten auch eine Rolle spielen. Hier bedarf es weiterer Forschung. Bei Frauen können allerdings auch häufige Harnwegsentzündungen der Übeltäter sein.

Welche Untersuchungen werden im Rahmen der Diagnostik durchgeführt und wie wichtig ist das Ergebnis in Bezug auf die Auswahl der Therapie?

Eine exakte Diagnostik ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie. Zum Einsatz kommen neben einem Inkontinenz-Fragebogen, einer körperlichen Untersuchung und Urinanalyse sowie gegebenenfalls Ultraschall, eine Blasendruckmessung oder Blasenspiegelung. Je nachdem, ob es sich um eine Belastungs- oder Drangharninkontinenz handelt, kommen verschiedene Therapien in Betracht. Wobei bei einer Belastungsinkontinenz als erste Massnahme ein gezieltes Beckenbodentraining angeordnet wird, bevor man einen Eingriff in Erwägung zieht. Medikamente helfen hier wenig.

Hilfreich bei der Behandlung einer Belastungsinkontinenz ist die Verwendung sogenannter TVT-Bänder. Die Erfolgschancen liegen bei 84 Prozent, das ist beachtlich. Wie läuft der minimal-invasive Eingriff ab?

Beim TVT-Band handelt es sich um ein etwa ein Zentimeter breites Bändchen aus Polypropylen, das meist in kurzer Narkose unter die Harnröhre gelegt wird und hinter dem Schambein hochgezogen wird. Es ersetzt also die defekten Bandstrukturen. Dadurch kann die Harnröhre nicht mehr nach unten absinken und beim Husten, Niesen oder Springen entsteht kein ungewollter Urinverlust mehr. Darüber hinaus bieten wir bei Uroviva auch Injektionen von kollagenartigen Substanzen unter die Schleimhaut des inneren und äusseren Harnröhren-Schliessmuskels sowie die Implantation hydraulischer Schliessmuskelprothesen an, wenn andere Verfahren versagt haben.

Bei der Behandlung einer Dranginkontinenz setzen Sie auch ein Nervengift ein, das die meisten von uns eher der Schönheitsbranche zuordnen.

Richtig. Es handelt sich um das Nervengift Botulinumtoxin, das bei der Indikation einer Reizblase in den Blasenmuskel injiziert wird. Dort hemmt es die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel. Die Wirkung hält im Durchschnitt für acht bis zwölf Monate an. Danach kann die Behandlung wiederholt werden. Um noch einmal kurz auf das Thema Schönheit zurückzukommen. Frauen, die sich bereits anderweitig mit Botulinumtoxin behandeln lassen haben, rate ich von dieser Therapie eher ab, da der Körper Antikörper gegen das Nervengift bilden kann, was zu einer Aufhebung der Wirkung führt.

Ein weitaus aufwendigeres Verfahren stellt die sogenannte Sakrale Neuromodulation dar, bei der Elektroden im Bereich des Kreuzbeines implantiert werden. Wie funktioniert diese Methode genau?

Erst einmal ist es wichtig, dass die Elektroden genau an den Nerven sitzen, die die Blase und den Enddarm versorgen. Ein zusätzlicher Neurostimulator, der erst nach einer Testphase unter der Haut implantiert wird, sendet schwache Ströme an diese Nerven ab, sodass die Blase sich normal füllen kann, sich nicht vorzeitig zusammenzieht und das Harndranggefühl nicht mehr so häufig vorkommt. Mit dieser Methode kann etwa die Hälfte der Patienten ein völlig beschwerdefreies Leben führen - und zwar langfristig. Der Eingriff ist natürlich vergleichsweise aufwendig und für Patienten kein zwingendes Muss. In manchen Fällen kann auch eine medikamentöse Therapie, die grundsätzlich als erste Massnahme bei einer Drangharninkontinenz angewendet wird, eine ausreichende Linderung schaffen.

Trotz der vielversprechenden Therapieoptionen, scheuen sich viele Frauen davor, sich an einen Arzt zu wenden und nehmen Einbussen in der Lebensqualität hin.

Das ist leider so. Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass oft der Leidensdruck entscheidet, ob professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird - oder nicht. Anders wie zum Beispiel bei einem Harnwegsinfekt zieht eine Inkontinenz zwar keine schweren Folgeerkrankungen mit sich, allerdings sollte spätestens bei einer plötzlich auftretenden Drangharninkontinenz, einer schnellen Verschlechterung der Symptomatik oder gar Blut im Urin ein Arzt aufgesucht werden. Dem kann auch ein bösartiger Tumor in der Blase zugrunde liegen. Ein Schamgefühl braucht keine Frau zu haben. Für uns Urologen gehört die Diagnostik und Therapie einer Inkontinenz sozusagen zum täglichen Brot und ist nichts, wofür man sich schämen muss.

Im Interview

Dr. med. Susanne Reichert
Fachärztin FMH für Urologie
Schwerpunkt operative Urologie
Uroviva – Spezialklinik für Urologie
www.uroviva.ch