Psyche

Wiedereingliederung erwünscht

Von Gabriele Hellwig · 2014

«Menschen mit psychischen Problemen können am Arbeitsplatz nicht funktionieren», so lautet ein weit verbreitetes Vorurteil.
Nach einem Krankheitsausbruch jedoch ist ein Wiedereinstieg ins Berufsleben mit guter Vorbereitung fast immer möglich.

Immer mehr Menschen scheiden aufgrund einer psychischen Krankheit aus dem Berufsleben aus. Die Zahl der psychisch Behinderten, die in der Schweiz eine IV-Rente beziehen, hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht. 40 Prozent der IV-Rentner beziehen diese heute aus psychischen Gründen. Kein Wunder, dass das Bundesamt für Sozialversicherungen vermehrt Menschen mit psychischen Erkrankungen wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern möchte.
Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn eine Umfrage der Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation der Kantonalen Psychiatrischen Dienste Basel-Landschaft zeigt: Nicht nur die Arbeitgeber sind bei Depressiven und Schizophrenen äusserst skeptisch. Auch die Menschen, die selbst an einer psychischen Erkrankung leiden, würden oft keine psychisch Kranken einstellen.
Erfahrungsgemäss gelingt die Arbeitsinte-gration am besten, wenn die psychisch Kranken wieder an ihren früheren Arbeitsplatz zurückkehren. Der Grund: Der Arbeitgeber kennt den Mitarbeiter noch «aus guten Zeiten», weiss dessen Qualitäten zu schätzen. Doch auch wenn der psychisch Kranke nicht an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren kann, ist Trübsal fehl am Platze. 

Unterstützende Beschäftigung hat sich bewährt

Job Coaches helfen bei der Wiedereingliederung

Um psychisch Kranke erfolgreich wieder einzugliedern, hat sich das sogenannte Supported Employment bewährt, auf Deutsch «unterstützende Beschäftigung». Bei diesem Programm werden die ehemals psychisch Kranken, nun Kunden genannt, von Job Coaches individuell betreut, und zwar sowohl bei der Jobsuche als auch während der späteren Anstellung. Zentrale Voraussetzung ist, dass die Betroffenen motiviert sind und wieder in den Arbeitsmarkt zurückkehren wollen.
Eine Studie bestätigt den Erfolg des Programms: 11 von 25 Personen, die mit dem Supported Employment begleitet wurden, schafften den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Von den 25 Personen der Kontrollgruppe, die in herkömmlichen geschützten Arbeitsplätzen arbeiteten, fand dagegen niemand den Weg zurück in die normale Wirtschaft.
Dabei spielt die genaue Diagnose offenbar keine Rolle bei dem Erfolg oder Misserfolg der Massnahme. Entscheidender als die Frage, ob jemand an einer Depression oder Angststörung gelitten hat, ist die Tatsache, wie gut jemand vor der Erkrankung beruflich integriert war. Einen grossen Vorteil haben Menschen, die gute Arbeitszeugnisse vorweisen können. Auch ein gutes Ausbildungsniveau und ein gutes soziales Umfeld erhöhen die Eingliederungschancen.
Aber auch niedrig Qualifizierte haben eine Chance. Sie können zum Beispiel eine Tätigkeit als Hilfskraft annehmen. Die Job Coaches unterstützen beim Bewerbungsprozess und helfen den Betroffenen, mit der neuen Situation umzugehen.